Die Golden Gate Bridge

San Francisco, USA




© Susanne Haun/Steffen Kallenberg

Name: Golden Gate Bridge
Ort: San Francisco
Land: USA
Konstruktionstyp: Hängebrücke
Fertigstellung: 1937
Erbauer: Joseph B. Strauss
Irving F. Morrow
Verkehrsart: Kraftfahrzeuge, Fußgänger
Material: Stahl
Gesamtlänge: 2.740 m
Größte Spannweite: 1.281 m

Für viele Brückenfreunde ist die Golden Gate Bridge noch immer die schönste Brücke aller Zeiten und irgendwie auch die "größte", obwohl sie den Weltrekord in Sachen Spannweite schon vor vielen Jahrzehnten eingebüßt hat
Joseph B. Strauss
(1870-1938)

Zu Beginn des 20. Jahrhunderts war die Technik des Brückenbaues so weit vorangeschritten, dass man sich ernsthaft mit dem Gedanken beschäftigen konnte, eine Verbindung zwischen San Francisco und der Halbinsel Marin über die Golden Gate Bucht herzustellen. Allerdings waren die Bedingungen dafür in vielerlei Hinsicht äußerst schwierig. Ein Problem war das Wetter, denn die ganze Bucht liegt häufig unter einer dichten Nebeldecke.

Der Pazifik verursacht starke Strömungen und der tragfähige Untergrund befindet sich in sehr großer Wassertiefe. Weder beim Bau der Brücke, noch während ihres Betriebes durfte die stark befahrene Schifffahrtsroute behindert werden und auch vom Verteidigungsministerium kamen einige Auflagen im Hinblick auf die verschiedenen Militäreinrichtungen in der Bucht. Hinzu kam noch, dass die Brücke erdbebensicher sein musste, da die verheerenden Folgen des Bebens aus dem Jahre 1906 in San Francisco noch in allgegenwärtiger Erinnerung waren.


Joseph B. Strauss und sein Team
Ursprünglicher Entwurf des Konstrukteurs.
Kombination aus Hängebrücke und Auslegerfachwerk

Keine leichte Aufgabe also für den aus Cincinnati stammenden Konstrukteur Joseph B. Strauss, der sich schon sehr früh intensiv mit Planungen für das Bauwerk beschäftigte. Bereits seit 1917 setzte er sich bei den zuständigen Stellen vehement für den Bau der Brücke ein und legte technische Entwürfe vor. Sein Favorit war zunächst eine Kombination aus Hängebrücke und Auslegerfachwerk, da es zu diesem Zeitpunkt weltweit keine einzige reine Hängebrücke dieser Größenordnung gab. Der Vorschlag zum Bau einer Brücke wurde vom amerikanischen Kriegsministerium bereits im Dezember 1924 grundsätzlich befürwortet aber der Baubeginn verzögerte sich aus vielerlei Gründen noch neun lange Jahre.

Als in New York im Jahre 1931 die George Washington Bridge fertig gestellt wurde, lagen endlich Erfahrungen für eine ähnlich große Hängebrücke vor und man konnte auch für das Golden Gate Projekt eine solche Konstruktion ernsthaft ins Auge fassen. Wegen der Schifffahrt kamen zusätzliche Pfeiler in der Mitte der Bucht ohnehin nicht in Frage, wodurch sich eine enorme Spannweite ergab. Strauss und sein Mitarbeiter Charles Ellis machten schließlich einen Vorschlag, der alle bis dahin gebauten Brücken übertraf: eine Hängebrücke, die mit einem einzigen Schritt die gesamte Bucht auf einer Länge von fast 1.300 Metern überspannen sollte.
Strauss und sein Beratungsteam (v.l.n.r.): Othmar H. Ammann,
Dean C. Derleth. Jr., Strauss, Leon S. Moisseiff
Im Hintergrund: Andrew C. Lawson/University of California

In Anbetracht des außerordentlich schwierigen Projektes, standen Strauss bei den Bauarbeiten einige hochrangige Berater zur Seite. Zu ihnen gehörten der aus der Schweiz stammende Ingenieur Othmar Hermann Ammann der auch die George Washington Bridge gebaut hatte, sowie Leon S. Moisseiff, der später durch den Einsturz der Tacoma Narrows Bridge berühmt werden sollte.


1,2 Millionen Niete und 54.000 Drähte

Die Bauarbeiten begannen im Januar 1933 und gestalteten sich erwartungsgemäß sehr schwierig. Insbesondere das Fundament für den südlichen Pfeiler machte Probleme, denn es musste 335 Meter vom Ufer entfernt in einer Tiefe von 30 Metern mit einem riesigen Caisson gegründet werden. Die Strömung in der Bucht war so stark, dass Unterwasserarbeiten nur während des Gezeitenwechsels (täglich 20 Minuten!) möglich waren.

Die beiden Pfeiler sind ca. 227 Meter hoch und bestehen aus übereinander gestapelten, stählernen Hohlzellen. Diese wurden mit insgesamt ca. 1,2 Millionen Niete miteinander verbunden, der letzte war aus purem Gold. Neben der technischen Leistung wird die Golden Gate Bridge zu Recht auch immer wieder wegen ihrer ästhetischen Gestaltung gelobt. Für die Idee die Türme mit einem roten Anstrich zu versehen ist der Architekt Irving Morrow verantwortlich. Von ihm stammt auch die markante Form der Pfeiler die dem Zeitgeschmack entsprach und wegen der die Brücke häufig auch als das größte Art Deco Objekt aller Zeiten bezeichnet wird. Gemeinsam mit Strauss fügte Morrow das Bauwerk perfekt in das großartige Panorama der Bucht ein und schuf eine fantastische Harmonie aus Technik und grandioser Landschaft.
Sommer 1934: Die Pfeiler werden errichtet.
Der Steg wurde wurde während der Bauarbeiten
zweimal schwer beschädigt.

Jeweils über 27.000 Einzeldrähte mit 5 mm Stärke wurden im so genannten Luftspinnverfahren nach und nach zu zwei mächtigen Stahlkabeln mit Durchmessern von 92,4 cm verflochten und an den Ufern in gewaltigen Betonverankerungen befestigt. Die Seilarbeiten wurden von der Fa. John A. Roebling & Sons in New Jersey ausgeführt. Durch eine Optimierung des Luftspinnverfahrens konnten erstmals pro Fahrt des Seilrades 24 Drähte mitgeführt werden. Die zeitaufwändige Herstellung der Kabel wurde dadurch auf nur 6 Monate reduziert. Das Tragwerk wurde wegen der Lastverteilung in den Seilen von beiden Seiten aus gleichzeitig montiert und hängt an Stahlhängern (im Hauptfeld 82 Stück je Seite), die im Abstand von 15 Metern an den Kabeln befestigt sind.

Das Tragwerk der Golden Gate Bridge wurde nach amerikanischer Tradition als Versteifungsträger ausgebildet, der nach dem Einsturz der Tacoma Narrows Bridge im Jahre 1940 noch um einen Horizontalverband erweitert wurde. Der Träger hat eine Höhe von 8,70 m.


Präsident Roosevelt gibt das Startsignal

Strauss trat energisch für neue Sicherheitsstandards wie z.B. die Helmpflicht ein und liess überall Sicherheitsnetze anbringen. Dennoch ereigneten sich während der Bauphase mehrere tragische Unfälle, bei denen es tote und verletzte Arbeiter zu beklagen gab. Zehn Männer starben, als ihr Gerüst zusammenbrach und sie mehr als 70 Meter tief ins Meer stürzten. Bei einem anderen Unfall verirrte sich ein Frachter im dichten Nebel und prallte gegen einen der Pfeiler. Insgesamt verloren 11 Arbeiter beim Bau der Brücke ihr Leben, was für die damaligen Arbeitsbedingungen allerdings eine eher geringe Zahl war. Die Namen der Opfer sind auf einer Bronzeplakette verewigt, die sich im Bereich des westlichen Widerlagers befindet. Das Sicherheitsnetz aber rettete insgesamt 19 Arbeitern das Leben, was diese dazu veranlasste, den "HALF-WAY-TO-HELL-CLUB" zu gründen.

Die Bauarbeiten konnten schließlich im Frühjahr 1937 zum Abschluss gebracht werden. Am 27. Mai erhielt die Bevölkerung von San Francisco Gelegenheit die Brücke zu Fuß zu überqueren und über 200.000 Menschen nahmen das Wunderwerk der Technik aus nächster Nähe in Augenschein. Einen Tag später wurde sie durch ein telegrafisches Signal aus dem Weißen Haus von Präsident Franklin D. Roosevelt offiziell eröffnet und für den Straßenverkehr freigegeben.
Aus Gleichgewichtsgründen wird das Tragwerk vom Pfeiler ausgehend
in beide Richtungen gleichzeitig montiert

An ihrem ersten Betriebstag wurden bereits 32.000 Kraftfahrzeuge auf der Brücke gezählt aber so ruhig war es später nur noch selten. Heute wird die Brücke im Durchschnitt von über 100.000 Fahrzeugen genutzt, mit weiterhin steigender Tendenz.


Anziehunspunkt für Selbstmörder

Die Golden Gate Bridge verfügt über insgesamt sechs Fahrspuren, die je nach Verkehrslage für den stadtein- bzw. stadtauswärts fließenden Verkehr freigegeben werden. Außerdem ist die Golden Gate Bridge eine der wenigen Großbrücken der Welt, die auch mit dem Fahrrad oder zu Fuß überquert werden kann. Diese Freizügigkeit wird leider immer wieder von lebensmüden Menschen genutzt um über das 1,40 m hohe Geländer in die Bucht zu springen. Offiziell wurden bisher ca. 1.100 Selbstmordversuche gezählt, wobei nur eine Handvoll der Springer den 70 m tiefen Sprung überlebten. In Wirklichkeit könnten es aber auch schon weit über 2.000 Selbstmordopfer sein.

Um dieser Entwicklung zu begegnen hat man mitten auf der Brücke ein Nottelefon für selbstmordgefährdete Bürger aufgestellt. Immer wieder wird auch diskutiert, ob man nicht einfach Gitter in entsprechender Höhe montieren sollte um das Klettern über das Geländer zu verhindern. Die Gegner solcher Vorschläge argumentieren, dass dadurch letztendlich auch keine Selbstmorde verhindert werden könnten, weil sich die Betroffenen ganz einfach eine andere Variante ausdenken würden. Außerdem würde ein solches Gitter das Erscheinungsbild der Brücke natürlich ganz erheblich beeinflussen. Da die Golden Gate Bridge heute das Wahrzeichen der Stadt San Francisco und auch ihre bekannteste Sehenswürdigkeit ist, wird sich wohl so schnell nichts am ästhetischen Gesamtbild der Brücke ändern.

27. Mai 1937: "Pedestrian Day". Die Bürger San Franciscos
dürfen die Brücke als erste zu Fuß überqueren


San Franciscos Wahrzeichen und größte Sehenswürdigkeit

Alljährlich kommen hunderttausende Besucher aus der ganzen Welt, um sich dieses nach wie vor einzigartige Bauwerk anzusehen. Die Golden Gate Bridge ist die meistfotografierte Brücke der Welt und unzählige Fotos von ihr begegnen uns auf Wandkalendern, in Fotoalben und Illustrierten.

Die Unterhaltung der Brücke ist eine zeitraubende und kostspielige Angelegenheit, die durch ein Team von schwindelfreien Fachleuten verrichtet wird. Der markante rote Anstrich wird ständig erneuert, wobei gewaltige Mengen der patentierten Farbe "International Orange" verbraucht werden. Die Hängerkabel wurden 1976 im Rahmen einer Sanierungsmaßnahme komplett erneuert und in kleinen Abschnitten als Souvenirs verkauft.

Im Jahr ihrer Einweihung war die Golden Gate Bridge mit ihrer Spannweite von 1.281 m die größte Brücke der Welt. Diesen Rekord hielt sie ganze 27 Jahre, bis sie von der Verrazano Narrows Bridge in New York übertroffen wurde. Heute belegt sie nur noch einen hinteren Platz in der internationalen "Brückenliga" aber sie ist nach wie vor die bekannteste Brücke der Welt.

Der Konstrukteur Joseph B. Strauss starb nur ein Jahr nach der Fertigstellung der Brücke im Alter von 68 Jahren.










Quellen:
David J. Brown: "Brücken, kühne Konstruktionen über Flüsse, Täler, Meere"
Bernhard Graf: "Die schönsten Brücken der Welt"
www.wikipedia.de
www.goldengate.org

Haben sie noch mehr Informationen zu dieser Brücke? Oder sind sie im Besitz weiterer Fotos, die sie für dieses Internetangebot zur Verfügung stellen würden? Dann senden sie mir eine Mail:




Ich bedanke mich für die freundliche Unterstützung bei:
Susanne Haun / Steffen Kallenberg, Thüringen
Andreas Vogel, Hamburg
© Dipl.Ing. Bernd Nebel