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Die Sydney Harbour Bridge ist ohne jeden Zweifel eine der am schönsten gelegenen Brücken der Welt. Durch ihre zentrale Lage im Hafenbecken Sydneys, in unmittelbarer Nähe zum weltberühmten Opernhaus, ist sie zu einem Wahrzeichen Australiens und einem ihrer meistbesuchten Touristenmagneten geworden
Die Überlegungen für den Bau einer Brücke begannen bereits im Jahre 1888 mit der Einrichtung einer königlichen Kommission, deren Aufgabe es war, verschiedene Vorschläge zu beurteilen. Die Randbedingungen für die Planungen waren vielfältig: eine Spannweite von ca. 500 Metern wurde gefordert und eine ausreichende Höhe, um die Schifffahrt im Hafen nicht zu behindern. Die Kommission lehnte zunächst alle Vorschläge ab und ließ in der Zeit von 1896 bis 1903 weitere 40 Vorschläge ausarbeiten. Aber wiederum wurde keine Entscheidung zugunsten eines Entwurfes getroffen. Im Jahre 1922 schrieb die Regierung von New South Wales einen weltweiten Wettbewerb aus, um den Bau der Brücke endlich voran zu bringen. Insgesamt 20 Vorschläge wurden diesmal eingereicht, darunter einer von John Job Crew Bradfield, der inzwischen als Chefingenieur für die Hafenbrücke eingesetzt worden war.
Bradfield war ein gebürtiger Australier und hatte in Sydney Bauingenieurwesen studiert. Nach einem offensichtlich beeindruckenden Ereignis verwarf er jedoch seinen eigenen Vorschlag, der eine massive Auslegerbrücke vorsah. Das Ereignis war die Besichtigung der von Gustav Lindenthal entworfenen Hell Gate Bridge in New York. Diese Stahlbogenbrücke über den East River beeinflusste Bradfield stark und man einigte sich schließlich auf einen Entwurf des Briten Sir Ralph Freeman, der eine ganz ähnliche Konstruktion wie die der Hell Gate Bridge vorsah.
Im Jahre 1926 konnte dann endlich mit den Gründungsarbeiten begonnen werden. Beim Bau von Bogenbrücken ist normalerweise ein Lehrgerüst erforderlich, welches die Konstruktion statisch trägt, bis der Bogen geschlossen ist und dadurch die gesamte Last aufnehmen kann. Die Sydney Harbour Bridge befindet sich aber über der tiefsten Stelle des Hafens und natürlich auch über einer stark befahrenen Schiffsroute. Also kam ein Lehrgerüst nicht in Frage und man musste sich etwas anderes überlegen. Die Lösung war, auf jeder Uferseite die Hälfte des Bogens aufzubauen, dann die beiden Bogenhälften über den Meeresarm zu schwenken und dort miteinander zu vernieten. Am 20. August 1930 konnten die letzten Niete gesetzt und der Bogen geschlossen werden. Anschließend wurde das gewaltige Brückendeck mit Stahlträgern von 7,3 bis 58,3 m Länge in den Bogen eingehängt. Im Februar 1932 war die Brücke schließlich fertig und konnte am 19. März 1932 vom damaligen Premier Jack Lang feierlich eingeweiht werden.
Die Sydney Harbour ist deutlich länger als die Hell Gate Bridge und sollte bei ihrer Vollendung eigentlich die längste Stahlbogenbrücke der Welt werden. Diesen Titel machte den Australiern jedoch der Brückenbauer Othmar Hermann Ammann streitig, der nur wenige Wochen vorher die Bayonne Bridge fertig stellte. Die Bayonne überspannt den Kill van Kull in New York und ist ganze 1,50 m länger als die Sydney Harbour Bridge...
Schon kurze Zeit nach ihrer Fertigstellung gaben die Einwohner Sydneys der Brücke wegen ihres charakteristischen Aussehens den Spitznamen "Old Coat Hanger" (alter Kleiderbügel). Die Sydney Harbour Bridge wirkt trotz ihrer gewaltigen Dimensionen architektonisch überzeugend. Sie ist mit einer Deckbreite von 49 m eine der breitesten Brücken der Welt und bietet genug Platz für zwei Eisenbahn- und Straßenbahngeleise, acht Fahrspuren für Kraftfahrzeuge plus Gehwege und einem Radweg. Die Pylone haben eine Höhe von fast 90 m und sind der ägyptischen Architektur nachempfunden. Ihre Verkleidung besteht aus 17.000 m³ Granitblöcken, die aus dem 300 km entfernten Maruya herangeschafft wurden.
Die Baukosten in Höhe von insgesamt 13,5 Mio. australischen Dollar wurden durch Mautgebühren finanziert. Die Nutzung der Brücke kostete unmittelbar nach ihrer Fertigstellung 6 Pence für ein Auto und für ein Pferd mit Reiter 3 Pence. Heute ist die Brücke für Pferde gesperrt und für ein Auto kostete die Überfahrt im Sommer 2004 drei Australische Dollar. Die Maut muss allerdings nur stadteinwärts entrichtet werden, in der anderen Richtung ist die Fahrt kostenlos. Trotz der stark gestiegenen Gebühren waren die Herstellungskosten erst im Jahre 1988 völlig abbezahlt und die Brücke sozusagen "schuldenfrei".
Die Sydney Harbour Bridge wurde unmittelbar nach ihrer Verkehrsfreigabe zu einem der wichtigsten Verkehrsknotenpunkte Sydneys. Im Juni 1976 fuhr das 1 Milliardste Fahrzeug über die Brücke. Im Schnitt wird sie heute von ca. 160.000 Autos, Lkws, Bussen und Motorrädern benutzt. Vermutlich wären es noch viel mehr, wenn nicht der Bau des Harbour Tunnels im Jahre 1991 eine erhebliche Entlastung für die Brücke gebracht hätte. In ihrem ersten "Dienstjahr" 1932 waren es erst 10.900 Fahrzeuge.
Neben ihrer Bedeutung für den Straßen- und Schienenverkehr ist die Harbour Bridge auch zu einer der wichtigsten touristischen Anziehungspunkte Sydneys geworden. Für abenteuerlustige Besucher bietet sie sogar eine ganz besondere Attraktion: "Bridgeclimbing". Für Preise zwischen 145-175 Australische Dollar kann man an einem geführten Spaziergang über den Stahlbogen teilnehmen. Nach einer vor kurzem durchgeführten Umfrage ist Bridgeclimbing sogar die beliebteste touristische Attraktion Australiens. Alle 10 bis 15 Minuten, vom frühen Morgen bis um 22 Uhr Abends, macht sich eine kleine Gruppe mit ihrem Führer auf den Weg über den gewaltigen Bogen. Alle Teilnehmer tragen einen speziellen Bridgeclimbing-Overall, werden vor der Tour auf ihren Alkoholspiegel getestet und an Seilen gesichert über den 134 m hohen Bogenscheitel geführt.
Falls sie Interesse am Bridgeclimbing haben, können sie die Tour hier online buchen:
http://www.bridgeclimb.com/
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