Scaligerbrücke

ital.: "Ponte Scaligero", auch "Ponte Castelvecchio"

Verona, Italien



© Bernd Nebel

Name: Ponte Scaligero
Ponte Castelvecchio
Ort: Verona
Land: Italien
Erbauer: Guglielmo Bevilacqua (?)
Konstruktionstyp: Bogenbrücke
Fertigstellung: 1356
Verkehrsart (heute): Fußgänger/ Radfahrer
Material: Kalkstein/ Ziegel
Gesamtlänge: 133 m
Größte Spannweite: 48,50 m
Die norditalienische Stadt Verona ist vor allem für ihre Opernfestspiele berühmt aber auch als Schauplatz für Shakespeares Drama "Romeo und Julia". Verona hat allerdings auch für Brückenfreunde einiges zu bieten, denn hier führen zwei historisch bedeutsame Brücken über die Adige (Etsch). Während der Ponte Pietra schon aus der Römerzeit stammt, ist die Scaligerbrücke ein typisches Bauwerk aus dem Mittelalter.

Die Scaliger waren eine reiche und mächtige italienische Adelsfamilie, die in der Zeit von 1260 bis 1387 die Stadt und die Region rund um Verona regierte. Auf dem Höhepunkt ihrer Macht gehörten u.a. Brescia, Lucca, Padua, Parma und das Gebiet rund um den Gardasee zu ihrem Herrschaftsgebiet. Noch heute zeugen zahlreiche, leicht zu erkennende Burgen in Norditalien von der großen Zeit der Scaliger. Bei ihrer intensiven Bautätigkeit entwickelten sie nämlich einen ganz eigenen, typischen Baustil, der sich vor allem durch die markanten Schwalbenschwanzzinnen auszeichnet.


Verona und die Scaliger
Die typischen Schwalbenschanzzinnen
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Der Hauptwohnsitz der Familie blieb während der gesamten Herrschaftszeit aber Verona. Im Jahre 1354 befahl der Scaligerfürst Cangrande II della Scala (1332-1359) den Bau einer neuen Schutzburg am Ufer der Etsch. Das heute noch bestehende Castelvecchio (alte Burg) wurde im Jahre 1375 fertig gestellt und beherbergt nun das bedeutendste Museum der Stadt.

Zweck der Gesamtanlage war es, für die Scaligerfamilie den ungehinderten Fluchtweg über die Etsch sicherzustellen. Insofern gehörte selbstverständlich auch eine Brücke über den Fluss zu diesem Verteidigungskonzept. Cangrande ließ daher parallel zum Bau der Burg auch den Ponte Scaligero errichten.

Die Scaligerbrücke war also ursprünglich eine reine Wehrbrücke und keineswegs für den öffentlichen Verkehr bestimmt, sondern blieb ausschließlich den Bedürfnissen der Adelsfamilie vorbehalten. Demgegenüber dient sie heute dem Fußgänger- und Radfahrverkehr.

Die Bogenbrücke wurde in der Zeit von 1354 bis 1356 erbaut. Sie besteht aus drei Segmentbögen mit Spannweiten von 24, 27 und 48,5 m, die zum Castel hin größer werden. Entsprechend neigt sich die Fahrbahn von der Burg zum gegenüberliegenden Ufer. In der Mitte des großen Bogens gibt es einen Hochpunkt, an dem die Längsneigung wechselt und zur Burg hin wieder abfällt. Die Fundamente und die inneren Wandungen der Bögen bestehen aus Kalksteinquadern, während alle anderen Teile der Brücke aus Ziegelsteinen gemauert wurden.
Die romantische Brücke lädt zum Verweilen ein
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Die Scaligerbrücke ist insgesamt 133 m lang und nur 7,55 Meter breit. Die gesamte Länge ihrer Brüstung und die Wehrtürme über den Pfeilern sind natürlich -ebenso wie die angrenzende Burg- mit den typischen Schwalbenschwanzzinnen verziert. Die ansteigende Bogenfolge, das rote Ziegelmauerwerk und die typischen Zinnen machen diese Brücke zu einem pittoresken, unverwechselbaren Bauwerk des Mittelalters.


Der größte Segmentbogen der Welt

Auf ganzer Länge der Brücke verlaufen beidseitige Podeste, von denen aus man zwischen den Zinnen hindurch auf den Fluss sehen kann. Die unterschiedlich großen Wehrtürme erlauben außerdem den Blick auf die Fundamente und die Seitenflanken der Brücke. Die beiden im Wasser stehenden Türme sind auf der flussaufwärts gelegenen Seite als Eis- und Wellenbrecher ausgebildet.

Der große Bogen war nach seiner Fertigstellung der größte Brückenbogen der Welt. Die Segmentbauweise war zu diesem Zeitpunkt in Europa noch eine sehr junge Entwicklung, die vor allem durch den Bau des Ponte Vecchio in Florenz ausgelöst wurde. Es ist nicht mit Sicherheit bekannt, welcher Baumeister den Auftrag für die Skaligerbrücke erhielt. Es wird jedoch vermutet, dass Guglielmo Bevilacqua für den Bau verantwortlich war. Ganz sicher wurde ihre Größe und Bauart aber auch durch die nur wenige Jahre vorher in Florenz entstandene Brücke beeinflusst.

Cangrande II della Scala hatte selbst nicht mehr allzu viel von seinem Castel und seiner Brücke. Sie schützten ihn zwar von Feinden von außen, aber nicht vor Gegenspielern in der eigenen Familie. Er wurde im Jahre 1359 von seinem Bruder Cansignorio eigenhändig ermordet. Nur 28 Jahre später war die Herrschaft der Scaliger endgültig vorbei und Verona wurde in den Machtbereich Mailands integriert.


Sinnlose Zerstörung im 2. Weltkrieg und originalgetreuer Wiederaufbau
Nach dem Ende des zweiten Weltkrieges standen nur noch die Pfeiler
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Da die Scaligerbrücke im Verkehrskonzept Veronas eigentlich nie eine wirkliche Rolle gespielt hat, ist es völlig unverständlich, dass die Brücke am 24.04.1945 von deutschen Soldaten auf dem Rückzug vor den Alliierten gesprengt wurde. Die Brücke wurde dabei fast vollständig zerstört, nur die Pfeiler blieben übrig. Nicht besser erging es dem weiter stromabwärts gelegenen Ponte Pietra aus dem Jahre 100 v.Chr., ebenfalls eine historisch sehr bedeutsame Brücke.

Im Jahre 1949 begann man damit, das Material der zerstörten Scaligerbrücke aus der Etsch zu bergen und das Bauwerk Stück für Stück vorsichtig zu rekonstruieren. Zwei Jahre später konnte die Brücke in alter Schönheit wieder der Öffentlichkeit übergeben werden. Auch der Ponte Pietra wurde drei Jahre später mit dem geborgenen Material wieder aufgebaut.

Die beiden Brücken zählen heute wieder zu den meistbesuchten Anziehungspunkten Veronas und im Gegensatz zu allen anderen Sehenswürdigkeiten der Stadt, ist ihre Besichtigung völlig kostenlos.






Quellen:
Bernhard Graf: "Brücken, die die Welt verbinden"
Diverse Internetseiten

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© Dipl.Ing. Bernd Nebel