Ponte Vecchio

Florenz, Italien




© Lothar Hentschel

Name: Ponte Vecchio
Ort: Florenz
Land: Italien
Erbauer: Taddeo Gaddi
Konstruktionstyp: Bogenbrücke
Fertigstellung: 1345
Verkehrsart (heute): Fußgänger/ Radfahrer
Material: Stein
Gesamtlänge: 84 m
Größte Spannweite: 30 m
Der Ponte Vecchio, d.h. die "Alte Brücke", war die erste dauerhafte Brücke über den Arno und sie war auch die einzige, die im zweiten Weltkrieg nicht zerstört wurde. Heute ist sie eine der bedeutendsten Sehenswürdigkeiten der Toskana

Die Etrusker gründeten bereits um 800 v.Chr. eine Siedlung am Arno, aus der die heutige Stadt Florenz hervorging. Die Römer bauten die Ansiedlung zu einer typisch römischen Stadt mit Amphitheater, Bädern und einem Forum aus und gaben ihr den Namen der sich bis heute erhalten hat: Florentia, das heißt "die Blumige".

Im Zuge der Völkerwanderung wurde die Stadt fast vollständig zerstört aber im Mittelalter stieg sie unter Führung der berühmten Familie Medici zu einer der bedeutendsten Städte Europas auf. Insbesondere im 15. und 16. Jahrhundert blühten in Florenz das Bankwesen, der Handel und vor allem auch die Kultur. Die Medicis holten die bekanntesten Wissenschaftler und Künstler ihrer Zeit in die Stadt: Michelangelo, Dante, Filippo Brunelleschi, Giotto, Boccaccio, Galileo Galilei, Machiavelli, Donatello und Raffael sind nur die bekanntesten Persönlichkeiten, die während dieser Zeit in Florenz lebten und arbeiteten.


Erste Brücken und immer wieder Hochwasser
Der Arno in Grün.
Die erste Brücke im Hintergrund ist der Ponte di Santa Trinita

© Lutz Henrik Basch

Bereits zu Zeiten der Römer und im frühen Mittelalter gab es erste Holzbrücken über den Arno, doch wurden alle diese Brücken immer wieder von den unberechenbaren Hochwässern des Arno zerstört. Eine erste Brücke mit dem Namen Ponte Vecchio ist schon ab 1077 nachweisbar, doch wurde sie 1177 bei einem Hochwasser zerstört, ebenso wie ihr Nachfolger im Jahre 1333. Besonders dieses Hochwasser im 14. Jahrhundert muss erhebliche Verwüstungen in der ganzen Stadt angerichtet haben, denn anschließend wurden aufwändige Schutzmaßnahmen in Angriff genommen. Unter anderem wurden die Ufer des Arno auf beiden Seiten mit hohen Mauern gesichert, durch die das Überfluten der tiefer gelegenen Stadtteile verhindert werden sollte. Erst nach Abschluss dieser aufwändigen Arbeiten konnte im Jahre 1335 mit dem Wiederaufbau des Ponte Vecchio begonnen werden.

Die Planung und Ausführung der Brücke wird heute im Allgemeinen dem Maler und Baumeister Taddeo Gaddi (1290-1366) zugeschrieben, der ein Schüler des berühmten Malers Giotto di Bondone war. Außer der Widerstandsfähigkeit gegen Hochwasser und Eisgang sollte die Brücke mehr als doppelt so breit wie ihr Vorgänger werden und verschiedenen Handwerkszünften die Möglichkeit geben, hier ihre Werkstätten und Geschäfte zu errichten. Bereits auf dem Vorgängerbauwerk gab es die Handwerksbetriebe, die der Stadt jedes Jahr eine erhebliche Mieteinnahme bescherten, auf die auch bei der neuen Brücke nicht verzichtet werden sollte.


Der Segmentbogen im europäischen Brückenbau

Obwohl Taddeo Gaddi vorher vermutlich noch nie an einem Brückenbau beteiligt war, wagte er sich an ein Bauwerk heran, das für die damalige Zeit als revolutionär zu bezeichnen ist. Er plante eine Brücke mit drei großen, sehr flachen Segmentbögen, die bei einer maximalen Spannweite von 30 m Pfeilhöhen von nur 3,90 - 4,40 m aufweisen. Im Unterschied zum vollständigen Halbkreisbogen stellt die Verwendung des Segmentbogens wesentlich größere Anforderungen sowohl an die Fähigkeiten des Baumeisters, als auch an die Pfeiler, die Widerlager und den Baugrund. In einem Segmentbogen entstehen sehr große horizontale Kraftanteile, die über die seitlichen Widerlager in den Baugrund abgeleitet werden müssen. Die Horizontalkräfte treten natürlich auch an den Mittelpfeilern auf, wo sich die aus beiden Richtungen kommenden Kräftepaare aber neutralisieren. Der Vorteil des Segmentbogens
Die kleinen Geschäfte kragen weit über die Brücke hinaus
© Inge Kanakaris-Wirtl
ist seine geringe Höhe, wodurch der Verkehrsweg geringere Steigungen zu bewältigen hat, und im günstigsten Fall horizontal über das Bauwerk geführt werden kann.

Die Tatsache, dass die Römer, die ja ansonsten wahre Meister im Bau von Steinbogenbrücken waren, bei ihren Bauwerken fast ausschließlich den Halbkreis verwendeten, ist ein Beleg für die schwierige Beherrschung des Segmentbogens.

In Europa gab es vor dem Ponte Vecchio nur sehr wenige Segmentbogenbrücken. Eine davon ist die Rhonebrücke bei Avignon, von der heute nur noch drei Bögen übrig sind und die in dem berühmten französischen Volkslied "Sur le pont dŽAvignon" besungen wird. Allerdings sind deren Bögen bei weitem nicht so flach wie die des Ponte Vecchio. Die Brücke in Avignon wurde von 1177-1187 vom Orden der Brückenbauer um den heiligen Bénézet erbaut. Die legendären "Brückenbrüder" hielten ihre im 12. Jahrhundert exklusiven Kenntnisse um den Brückenbau geheim und nahmen dadurch für lange Zeit eine Art Monopolstellung ein.


Die Läden helfen bei der Finanzierung der Brücke

Der Bau des Ponte Vecchio nahm ganze 10 Jahre in Anspruch, bis 1345. Nach seiner Fertigstellung dürfte er ein weit beachtetes Meisterwerk des Brückenbaus gewesen sein, vor allem wegen der eleganten flachen Bögen. Die Spannweiten der drei Bögen betragen 27m - 30m - 27m, bei einer Gesamtbreite von 32m. Die schon bei der Einweihung vorhandenen Läden und Werkstätten kragen teilweise wie kleine Balkone über den Rand der Brücke hinaus. Allerdings versperren die Häuserzeilen nicht durchgehend den Blick auf den Arno. In der Mitte der Brücke gab es ursprünglich auf beiden Seiten eine kleine Terasse mit freiem Blick auf das Wasser.

Die insgesamt 44 Läden auf der Brücke eigneten sich besonders für Gewerbetreibende, für die es wichtig war, ständig frisches Wasser zur Verfügung zu haben oder für die der Fluss als einfache Abfallentsorgung diente. So ist es zu erklären, dass sich zunächst überwiegend Metzger und Gerber auf der Brücke ansiedelten und die Läden von der Stadtverwaltung mieteten.

Im Bild rechts die Fortsetzung des Korridors von Vasari
© Inge Kanakaris-Wirtl

Der "Corridoio Vasariano"

Eine wesentliche Änderung für das optische Erscheinungsbild der Brücke wurde im Jahre 1565 auf Anordnung von Großherzog Cosimo de Medici (1519-1575) veranlasst. Er wollte seine beiden Herrenhäuser Palazzo Pitti und Palazzo Vecchio durch einen überdachten Wandelgang verbinden lassen, der ihn auf dem Weg zwischen seinen Refugien ebenso vor den Unbilden des Wetters, als auch vor neugierigen Blicken seiner Untertanen schützte. Da sich die Paläste nicht auf dem gleichen Ufer des Arno befanden, musste der Gang über den Ponte Vecchio führen. Mit den Arbeiten für den Korridor wurde Giorgio Vasari betraut, in kunstgeschichtlicher Hinsicht eine der schillerndsten Figuren des 16. Jahrhunderts. Er war zuvor schon als Maler und Bildhauer in Rom tätig gewesen und hatte in Florenz die Uffizien erbaut. Berühmt wurde er auch dadurch, dass er die Frau auf Leonardo da Vincis "Mona Lisa" identifizierte.

Anstatt den notwendigen Platz für den Gang von den Verkehrsflächen oder den Läden abzuziehen, entschied sich Vasari dafür, den Korridor einfach über die Läden hinweg zu bauen. Um die Lücke im Bereich der Terasse zu überbrücken, legte er einen Arkadenbogen mit drei Öffnungen an. Dadurch ist die Terasse mit freiem Blick auf den Arno heute nur noch auf der stromaufwärts gelegenen Brückenseite vorhanden. Auf diesem kleinen Platz steht nun die Büste von Benvenuto Cellini, der um das Jahr 1900 einer der berühmtesten Goldschmiede in Florenz war. Der Korridor läuft über die Brücke und dann nach einem 90°-Knick noch etwa 100m über gleichartige Arkadenbögen am Ufer des Arno entlang, bevor er in einer Häuserzeile verschwindet. Dieser Gang, die auskragenden Läden, die heute in verschiedenen Farbtönen angestrichen sind und die anmutigen flachen Bögen sind die Hauptelemente des pittoresken Erscheinungsbildes der Brücke.

Der "Corridoio Vasariano" wurde offensichtlich auch rege von den Medici genutzt. Und das hatte Folgen. Beim Gang durch den Korridor bekam der Fürst nämlich eine ganze Menge von den üblen Gerüchen mit, die aus den Werkstätten nach oben drangen. Besonders die Schlachter, die ihre Abfälle einfach durch die Fenster in den Fluss warfen und die Gerber, die vorwiegend mit Pferdeurin arbeiteten, leisteten ihren Beitrag zu der schlechten Luft rund um die Brücke. Großherzog Ferdinando de Medici (1549-1609) reichte es schließlich: im Jahre 1593 zwang er die störenden Gewerbebetriebe per Dekret die Brücke zu verlassen und liess
Die Schäden des Hochwasser im November 1966
© Photothek des Kunsthistorischen Instituts in Florenz, Max-Planck-Institut
Fotograf: Ivo Bazzechi
von da an nur noch Goldschmiede auf der Brücke zu. Das ist bis heute so geblieben, denn noch immer sind die Läden vor allem von Juwelieren und Schmuckgeschäften gemietet. Aus diesem Grund heißt die Brücke im Volksmund auch "der Himmel für die Frauen und die Hölle für die Männer".

Für die Entwicklung des Brückenbaus brachte der Ponte Vecchio einen echten Erfahrungsschub, denn durch diese mutige Brücke verbreitete sich der Bau von Segmentbogenbrücken -vor allem in Italien- nun sprunghaft. Bereits elf Jahre nach ihrer Fertigstellung ließen die Scaliger in Verona die Skaligerbrücke errichten, deren größter Bogen eine Spannweite von fast 50m hat. Weitere 15 Jahre später (1371) wurde in Trezzo sogar eine 72m weit gespannte Segmentbogenbrücke über die Adda fertig gestellt, die jedoch bereits 1416 wieder zerstört wurde.


Das katastrophale Hochwasser von 1966

Natürlich gab es in Florenz auch nach dem Bau des Ponte Vecchio immer wieder mehr oder weniger dramatische Hochwasser. Aber im Gegensatz zu den anderen Brücken hat der Ponte Vecchio bisher alle Unbilden der Natur nahezu unbeschadet überstanden. Das letzte katastrophale Hochwasser ereignete sich im November 1966. Bei seinem Höchststand in den Morgenstunden des 4. November war der Arno so stark angeschwollen, dass große Teile der Florenzer Altstadt unter Wasser standen. Dabei wurden in den Kirchen, Museen und Palästen unzählige Exponate dieser an Kunstschätzen so reichen Stadt zerstört oder schwer beschädigt. Der Wasserspiegel des Arno stieg so stark an, dass die Fluten meterhoch über die Brückenfahrbahn hinwegströmten und die Juwelierläden fast vollständig zerstörten. Auch das Brückengeländer und einige der auskragenden Läden wurden von den Wassermassen mitgerissen. Die Widerlager und Pfeiler sowie die statische Substanz der Brücke aber blieben unversehrt. Nach den Aufräumarbeiten wurde die Brücke saniert und eilig wieder in den historischen Zustand versetzt.

Mehr Fotos des Jahrhunderthochwassers von 1966 und seinen verheerenden Auswirkungen auf die Kunstschätze der Stadt finden Sie auf den Internetseiten des Kunsthistorischen Instituts in Florenz.

Und noch eine dramatische Situation hatte der Ponte Vecchio im vorigen Jahrhundert zu überstehen. Im Frühjahr 1944 hatten die auf dem Rückzug befindlichen deutschen Soldaten alle Brücken über den Arno vermint und zur Sprengung vorbereitet. Tatsächlich
"Liebesschlösser" am Ponte Vecchio
© pixelio.de
wurden in den nächsten Tagen auch alle Brücken der Stadt, außer dem Ponte Vecchio, gesprengt. Unter den sinnlos zerstörten Bauwerken war auch der Ponte di Santa Trinita aus dem Jahre 1567. Die in unmittelbarer Nähe zum Ponte Vecchio stehende Brücke ist ebenfalls ein historisch bedeutsames Bauwerk mit den ersten Korbbögen Europas. Sie wurde nach Beendigung des Krieges wieder originalgetreu aufgebaut. Wer für die Entscheidung verantwortlich war, den Ponte Vecchio nicht zu sprengen, lässt sich heute nicht mehr eindeutig klären. Jedenfalls begnügten sich die deutschen Truppen damit, aus allerlei Trümmern und Schutt Barrieren vor den Brückenköpfen des Ponte Vecchio zu errichten.


Der Ponte Vecchio heute

Nach dem zweiten Weltkrieg nahm die touristische Bedeutung der Toskana und ihrer Hauptstadt Florenz stetig zu. Ohne Zweifel leistet der malerische Ponte Vecchio einen erheblichen Beitrag zu diesem immer noch anhaltenden Boom. Die meisten Besucher der Stadt lassen es sich nicht nehmen, einen Spaziergang über den berühmten Ponte Vecchio zu unternehmen und entsprechend voll ist es meistens auf der Brücke. Der Ponte Vecchio ist heute eine der meistbesuchten Sehenswürdigkeiten in Florenz und durch unzählige Abbildungen auf Kalendern, in Reiseführern und auf Souvenirs aller Art, eine der bekanntesten Brücken der ganzen Welt.

Wegen seines romantischen Erscheinungsbildes war der Ponte Vecchio auch schon immer ein beliebter Treffpunkt für Verliebte, die sich hier von der besonderen Atmosphäre auf der Brücke verzaubern ließen. Seit einigen Jahren wird in diesem Zusammenhang ein neuer Trend beobachtet, der offensichtlich immer mehr Nachahmer findet. Die Liebespaare kaufen sich Vorhängeschlösser, in die sie ihre Namen eingravieren lassen oder die sie mit einem wasserfesten Stift beschriften. Dann befestigen sie das Schloss an einer beliebigen Stelle auf der Brücke, z.B. einem Geländer oder einem Eisenring, von der man es nicht so leicht wieder entfernen kann. Dies soll die ewige Verbundenheit der Partner symbolisieren und eine endlose Dauer der Liebe garantieren. Gemeinsam wirft man dann den Schlüssel in den Arno, um jede Chance auf ein Öffnen des Schlosses für immer zunichte zu machen. Obwohl die Stadtverwaltung die Schlösser von Zeit zu Zeit beseitigen lässt, ist die Brücke an den unglaublichsten Stellen über und über mit Vorhängeschlössern verziert.



Quellen:
David J. Brown: "Brücken - Kühne Konstruktionen über Flüsse, Täler, Meere"
Bernhard Graf: "Brücken, die die Welt verbinden"
Dirk Bühler: "Brückenbau - Deutsches Museum München"

Haben sie noch mehr Informationen zu dieser Brücke? Oder sind sie im Besitz weiterer Fotos, die sie für dieses Internetangebot zur Verfügung stellen würden? Dann senden sie mir eine Mail:




Ich bedanke mich für die freundliche Unterstützung bei:
Lothar Hentschel, Berlin
Inge Kanakaris-Wirtl, Berlin
Lutz-Henrik Basch, Berlin
Kunsthistorisches Institut, Florenz
© Dipl.Ing. Bernd Nebel