Die Steinerne Brücke

Regensburg, Deutschland




© Bernd Nebel

Name: Steinerne Brücke
Ort: Regensburg
Land: Deutschland
Konstruktionstyp: Bogenbrücke
Fertigstellung: 1146
Ingenieur: unbekannt
Verkehrsart: Busse, Taxis
Material: Sandstein
Gesamtlänge: 309 m
Größte Spannweite: 16,70 m
Lichte Höhe: 8 m
Google Earth: Steinern Bruckn

Fast 1000 Jahre vergingen, bevor nach den großartigen Bauwerken der Römer wieder Steinbogenbrücken in Europa gebaut wurden. Eine der ältesten mittelalterlichen Brücken kann man bis heute in Regensburg bewundern

Neben vielen anderen Fertigkeiten der Römer sind ihre Leistungen beim Bau von Steinbogenbrücken ganz besonders beeindruckend. Sie übernahmen diese Kunst von den Etruskern und bauten bis ins 2. Jhd. hinein so bedeutende Bauwerke wie die Engelsbrücke in Rom, die Brücke von Alcantara und Aquädukte wie der in Segovia (Spanien) oder Pont du Gard in Frankreich, um nur einige zu nennen die heute noch bestehen.

Doch wie viele andere Techniken auch, gingen das Wissen und die Kenntnisse zum Bau solcher Brücken allmählich verloren. Viele Hundert Jahre lang wurde in Europa keine einzige vergleichbare Brücke mehr gebaut, doch profitierte man vielerorts noch von den vorhandenen Bauwerken der Römer. Aber schon die Unterhaltung und Instandsetzung der Brücken nach Kriegen oder Hochwässern bereiteten enorme Probleme.


Zaghafter Neubeginn im 12. Jahrhundert

Erst mit Karl dem Großen (747 - 814) kam es durch die Instandsetzung einiger alter Römerbrücken allmählich zu einer Belebung des Brückenbaus. Die erste große Steinbogenbrücke nördlich der Alpen die uns nach dem 2. Jhd.
Der Stich von Matthäus Merian zeigt das Aussehen der Brücke im Jahr 1644
überliefert ist und noch heute besteht, ist die Steinerne Brücke in Regensburg. Die technische Leistung der von 1135 bis 1146 währenden Bauarbeiten kann gar nicht hoch genug eingeschätzt werden, denn es gab nicht viele vergleichbare Bauwerke in dieser Zeit.

Da wo man sich nicht mit der Benutzung einer Furt begnügen wollte (Städtenamen wie Erfurt, Schweinfurt, Frankfurt usw. erinnern daran), wurden ausschließlich Holzbrücken gebaut, die jedoch bei Hochwasser und Eisgang häufig zerstört wurden. Auch die vielerorts verkehrenden Fähren waren sehr vom Wetter abhängig und stellten häufig den Betrieb ein.

Eine erste deutsche Steinbogenbrücke gab es ab 1133 in Würzburg. Zu den wenigen mit der Steinernen Brücke vergleichbaren Bauwerken gehörte außerdem die Judithbrücke in Prag, die 1171 fertig gestellt wurde. Beide Brücken fielen aber im Februar 1342 dem sogenannten Magdalenenhochwasser zum Opfer. An Stelle der Judithbrücke befindet sich heute die berühmte Karlsbrücke. Eine weitere Steinbogenbrücke gab es in Dresden, mit deren Bau sogar schon vor der Regensburger Brücke begonnen wurde. In Folge mehrerer Kriege, Hungersnöte und finanzieller Schwierigkeiten, dauerten ihre Bauarbeiten jedoch von 1119-1220. Sie wurde nur neun Tage nach der Prager Brücke durch Hochwasser und Eisgang zerstört und diese drei Brücken blieben nicht die einzigen zerstörten Bauwerke dieser überregionalen Flutkatastrophe. In Avignon (Frankreich) wurde im Jahre 1188 die Brücke über die Rhone fertig gestellt. Auch dieses Bauwerk wurde 1670 durch Eisgang so stark beschädigt, dass es teilweise einstürzte. Die Überreste sind noch heute zu bewundern und werden in dem Lied "Sur le pont dŽAvignon" besungen.


Finanzierung und Baubeginn im Jahre 1135
Vom Brückenturm sind die "Beschlächte" gut zu sehen
© Bernd Nebel

Die Steinerne Brücke in Regensburg ist also tatsächlich etwas ganz besonderes, schon weil sie trotz zahlreicher Beschädigungen durch Kriege, Hochwasser, Eisgang und dem starken Verkehr heute noch besteht. Leider ist uns weder der Baumeister der Brücke überliefert, noch steht dessen ursprünglicher Auftraggeber zweifelsfrei fest. Ungewöhnlich für die damaligen Verhältnisse ist jedoch die Tatsache, dass die Finanzierung des Brückenbaus ganz ohne Hilfe der Kirche sicher gestellt werden konnte.

Die Bauarbeiten begannen im Sommer des Jahres 1135, als die Donau nach einer lang anhaltenden Trockenperiode sehr wenig Wasser führte. Sicherlich war der Bau schon längere Zeit vorbereitet worden, und man hatte nur auf günstige Witterungsbedingungen gewartet. Die Gründung der Pfeiler erfolgte durch die Herstellung von Pfahlrosten, die einfach auf das geebnete Flussbett aufgesetzt und mit mehreren Lagen großer Steinquader beschwert wurden. Typisch für mittelalterliche Brücken sind die gewaltigen Steininseln um die Pfeiler, die dem Schutz gegen Unterspülung dienten. Diese weit ausladenden Vorbauten, die man in Regensburg übrigens "Beschlächte" nennt, führen durch die erhebliche Einengung des Abflussprofils auf der Stromoberseite zu einem deutlichen Rückstau und auf der Unterseite zu starker Strudelbildung. Schon bald nach der Fertigstellung der Brücke siedelten sich vier Mühlen auf den Beschlächten an, um die starke Strömung zwischen den Pfeilern auszunutzen.

Die Pfeiler sind zwischen 5,80 und 7,60 m breit und haben auf der Stromoberseite keilförmige Eisbrecher, die zusätzlich durch große Findlinge geschützt sind. Die Beschlächte wurden im Laufe der Zeit immer wieder verstärkt, bis sie schließlich eine Breite von 15 bis 20 m hatten und für den Fluss nur noch Durchlässe von 4 bis 7,60 m übrig blieben. Im Rahmen einer umfassenden Sanierung von 1951 bis 1962 wurden die Beschlächte auf Breiten bis maximal 10 m zurückgebaut, was zu einer deutlichen Verbesserung des Abflussverhaltens führte.


Die wechselvolle Geschichte der Steinernen Brücke

Die Steinerne Brücke bestand ursprünglich aus 16 Bögen mit Spannweiten von 10,20 bis 16,70 m und hatte eine Gesamtlänge von 336 m. Bis 1620 wurde aber der erste Bogen am südlichen Brückenkopf vollständig überbaut, so dass heute nur noch 15 Bögen sichtbar sind und die Gesamtlänge der Brücke noch 309 m beträgt. Zur Mitte hin steigt die Fahrbahn ungefähr 5 m an und zeigt auch in der Draufsicht keinen ganz geraden Verlauf. Das liegt daran, dass jeder Pfeiler optimal zur jeweiligen Strömungsrichtung angeordnet wurde und die Fundamente und Beschlächte somit nicht ganz parallel zueinander stehen.
Der letzte vorhandene Brückenturm.
Links das ursprüngliche Brückentor, rechts das
neue Tor nach einem Umbau im Jahre 1903

© Bernd Nebel

Neben dem heute noch vorhandenen südlichen Brückturm gab es ursprünglich noch zwei weitere Türme (siehe auch den Stich von Merian). Auf Stadtamhofer, also nördlicher Seite, wurde die Brücke vom "Schwarzen Turm" begrenzt, der im Jahre 1810 abgebrochen wurde. Ein weiterer Turm befand sich auf einem der mittleren Pfeiler, stürzte aber nach einem schweren Eisstoß, der die gesamte Brücke erschütterte, im Jahre 1784 ein.

Zusätzlich gab es aber noch weitere Aufbauten, wie eine Kapelle und sogenannte "Türgerichte", die aber heute alle verschwunden sind. Einzig das "Brückenmännchen", dessen Bedeutung bisher nicht sicher geklärt werden konnte, befindet sich heute noch auf der Brücke. Diese Steinplastik eines mit einer Badehose bekleideten Jungen ist seit 1446 nachweisbar und den Regensburgern offensichtlich so wichtig, dass sie bereits zweimal, zuletzt 1854, erneuert wurde.

Die Steinerne Brücke hat im Laufe der Jahrhunderte eine sehr wechselvolle Geschichte hinter sich gebracht. Unzählige Male wurde sie durch Hochwasser, Eisgang oder Feuersbrünste beschädigt. Viele Reparaturen, Umbaumaßnahmen und Sanierungen wurden durchgeführt. Während des dreißigjährigen Krieges wurde einer der Bögen vor den anrückenden Schweden gesprengt und später durch eine hölzerne Zugbrücke ersetzt. Die Lücke bestand von 1633 bis 1791 und wurde erst wieder durch einen Steinbogen geschlossen, als man Schäden an den beiden benachbarten Bögen feststellte, denen der Gegendruck fehlte.


Beinahe wäre die Brücke abgerissen worden

Ebenso wie viele andere Brücken wurde auch die Steinerne Brücke ein Opfer des zweiten Weltkrieges. Am 23.April 1945 sprengten deutsche Truppen den zweiten und elften Pfeiler, um das Vorrücken der Alliierten Streitkräfte zu verzögern. Obwohl dieser barbarische Akt keinen wirklichen strategischen Vorteil brachte, konnte durch die erheblichen Beschädigungen der Joche und Beschlächte der Zustand vor 1945 erst 22 Jahre später wieder hergestellt werden.

In Anbetracht der historischen Bedeutung der Steinernen Brücke ist es kaum nachvollziehbar, dass es im Jahre 1903 aber auch nach den Zerstörungen des zweiten Weltkrieges Bestrebungen gab, die Brücke vollständig abzureißen und durch ein modernes Bauwerk zu ersetzen. An so etwas denkt heute sicherlich niemand mehr, denn die Steinerne Brücke ist neben dem Dom nun die bekannteste Sehenswürdigkeit Regensburgs.

In der Mitte ist die Fahrbahn fünf Meter höher als an den Auffahrten
© Bernd Nebel
Seit August 2008 ist die Brücke für jeglichen motorisierten Verkehr -auch für Busse und Taxis- gesperrt. Man befürchtet, dass die Steinbrüstungen einem Fahrzeuganprall nicht standhalten würden. Die verschiedenen Varianten für eine dauerhafte Sanierung werden zurzeit im Regensburger Stadtparlament diskutiert.

In diesem Zusammenhang wird daher seit einiger Zeit auch über den Bau einer ganz neuen Donaubrücke diskutiert. Nach der Sanierung wird sich die Brücke sicherlich in einem noch beeindruckenderen Zustand präsentieren und gemeinsam mit den angrenzenden, gut gepflegten und zum Gesamtensemble gehörenden Bauwerken, weiter zur Steigerund der Atraktivität Regensburgs beitragen.

Zu diesen Bauwerken gehört vor allem der südliche Brückenturm, der für 1,- € besichtigt werden kann und von dessen oberen Fenstern schöne Fotos von der Brücke gemacht werden können. Direkt angrenzend an den Turm befinden sich der Regensburger und der Amberger Salzstadel, die ebenfalls auf eine lange Tradition zurückblicken.

Ein Besuch Regensburgs und die Besichtigung der Steinernen Brücke sind also auf jeden Fall lohnenswert.




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Robert Böhm, Regensburg
© Dipl.Ing. Bernd Nebel