Ironbridge

Ironbridge/Coalbrookdale, England



© Prof. Michael Littmann
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Name: Iron Bridge
Ort: Ironbridge / Coalbrookdale
Land: England
Konstruktionstyp: Bogenbrücke
Fertigstellung: Herbst 1779
Erbauer: Abraham Darby III
Thomas F. Pritchard
John Wilkinson
Verkehrsart (heute): Fußgänger/Fahrrad
Material: Gußeisen
Gesamtlänge: 60 M
Größte Spannweite: 30,5 M
Höhe über dem Wasser: 15 M

Der Bau der Eisenbrücke über den Severn im Coalbrookdale (Grafschaft Shropshire) markiert den Schnittpunkt zwischen traditionellen Bauweisen unter Verwendung von Stein und Holz, sowie der Einführung neuer Materialien in den Brückenbau. Die "Ironbridge" in Coalbrookdale war die erste Brücke ganz aus Eisen und mit ihr beginnt eine Ära, die später in die Konstruktion riesiger Stahlbrücken münden sollte. Der Ort, der bei der Brücke entstand, heißt "Ironbridge" und befindet sich in der Nähe von Telford.

Die Errichtung der Severnbrücke im Jahre 1779 fällt auch mit dem Beginn der industriellen Revolution zusammen und war das Startsignal für England auf dem Weg zur führenden Industrienation. Es ist kein Zufall, dass man ausgerechnet in Coalbrookdale zuerst auf die Idee kam, eine Bogenbrücke ganz aus Eisen zu bauen, denn der Ort liegt in einem der frühesten Zentren der Eisenherstellung. Im Jahre 1707 liess sich Abraham Darby I ein Verfahren zur Herstellung von eisernen Töpfen patentieren und bereits um 1735 gelang es hier mit Hilfe von Koks, große Mengen Eisen im Hochofen industriell zu erzeugen. Abraham Darby III (der Enkel von Abraham Darby I) stellte im Jahre 1767 die ersten brauchbaren Schienen für die Pferdebahnen im Kohlebergwerk her.

Zapfenverbindungen und Schwalbenschwänze
© Willi Rabl

Abraham Darby III baut die Ironbridge

Der Familientradition folgend war Abraham Darby III auch maßgeblich am Bau der ersten Brücke ganz aus Eisen beteiligt und vielleicht war es sogar seine Idee. Weitere beteiligte Personen am Bau der Ironbridge waren der Ingenieur John Wilkinson und der Schmiedemeister T.F.Pritchard. Pritchard verstarb allerdings kurz vor Beginn der Bauarbeiten, sodass Darby die Herstellung der Bauteile allein übernahm. Das verwendete Gusseisen ist ein sehr hartes aber sprödes Material mit geringer Biegefestigkeit und daher hervorragend geeignet für den Bau einer Bogenbrücke.

Das Haupttragwerk der Brücke besteht aus insgesamt fünf halbkreisförmigen Bögen, die in Abständen von 1,49 m jeweils aus zwei vorgefertigten Teilen zusammengesetzt wurden. Alle Einzelteile der Brücke wurden natürlich in Darbys ortsansässigem Unternehmen im offenen Sandbett gegossen. Von dort aus wurden sie auf Schiffen zur Baustelle gebracht und in nur 3 Monaten Bauzeit montiert.

Im Bogenscheitel wurden die beiden gegenüberliegenden Bogenhälften mit Schlusseisen verklammert. Die Bogenenden stehen auf ebenfalls gusseisernen Auflagerplatten zur Verteilung der punktförmigen Lasten auf die Fundamente. In der Nähe des Widerlagers wird die Fahrbahn durch senkrechte Stäbe unterstützt, die von der Basis des Bogens aufsteigen. Die einzelnen Bögen sind zusätzlich durch Querriegel miteinander verbunden.

Obwohl die tragenden Teile der Brücke vollständig aus Eisen bestehen, wurden noch Techniken und Arbeitsweisen verwendet, wie
Zentrum des "Coalbrookdale Museum of Iron"
© Willi Rabl
man sie aus dem Holzbau kennt. Man findet Details wie Schlitze, Schwalbenschwänze, Zapfen- und Fugenverbindungen. Erst später wurden neue Fügetechniken für das Eisen entwickelt, wie z.B. Nieten und noch viel später das Schweißen.

Aufbruch in das Jahrhundert des Eisens


Für das neue Material lagen zur Zeit des Baus nur wenige Kenntnisse und praktische Erfahrungen für eine solche Brücke vor. Aus heutiger Sicht sind viele Teile der Konstruktion überflüssig. Offensichtlich unterschätzte man die konstruktiven Möglichkeiten des Eisens und hatte noch nicht genügend Vertrauen in das neue Material. Dies nahm jedoch deutlich zu, nachdem im Jahre 1795 ein Hochwasser fast alle Holzbrücken über den Severn zerstörte, die Eisenbrücke in Coalbrookdale jedoch völlig unversehrt blieb.

Die Auswirkungen und der Einfluss dieses Bauwerkes auf die weitere Entwicklung des Brückenbaus können gar nicht hoch genug eingeschätzt werden. Ausgehend von Coalbrookdale trat die Verwendung von Gusseisen, dann Schmiedeeisen und schließlich Stahl in der Brückenbautechnik einen erfolgreichen Siegeszug an. In den folgenden Jahrzehnten wurden die Möglichkeiten dieses Materials bei vielen Brückenbauprojekten immer weiter ausgeschöpft. Immer größere Spannweiten und immer höhere Konstruktionen wurden ausgeführt. Pioniere wie Gustave Eiffel, Heinrich Gerber oder Joseph Paxton nahmen sich ganz und gar diesem Material an und schufen bis dahin nicht für möglich gehaltene Bauwerke.

Einfluss auf die Entwicklung des Brückenbaus


Im Schlosspark von Wörlitz entstand 1791 eine verkleinerte Nachbildung der Ironbridge, die jedoch lediglich für Fußgänger geeignet war. Die erste gusseiserne Brücke für Fahrzeuge auf deutschem Boden ist die Brücke über das Striegauer Wasser in
Details der Konstruktion
© Willi Rabl
Laasan (Niederschlesien). Sie wurde 1794 im königlichen Eisenhüttenwerk in Malapane gegossen und erst 1796 aufgestellt. Sie war auch die erste Brücke ihrer Art auf dem europäischen Festland.

Abraham Darby erhielt im Jahre 1788 für seine Ironbridge eine Auszeichnung von der englischen Gesellschaft der Künste, denn man betrachtete die Brücke nicht als rein zweckmäßigen Gebrauchsgegenstand, sondern durchaus auch als Kunstwerk. An den Wochenenden wurde sie bereits kurz nach ihrer Fertigstellung nicht nur zu einem Ausflugsziel für technisch interessierte Zeitgenossen, sondern auch zu einem begehrten Objekt zahlreicher Künstler.

Um die Brücke herum entstand im Laufe der Jahrzehnte ein Ort, der ebenfalls den Namen "Ironbridge" trägt. Im Jahre 1934 wurde die Brücke unter Denkmalschutz gestellt und für den Autoverkehr gesperrt. Heute ist sie Teil des "Coalbrookdale Museum of Iron" und wird von Radfahrern und Fußgängern auch weit über 200 Jahre nach ihrer Errichtung noch rege benutzt. Die zeit- und witterungsbedingten Einflüsse hat sie gut überstanden. Nur der ungeheure Druck der Widerlager führte dazu, dass die Fahrbahn in der Mitte, an der Verbindungsstelle zwischen den Viertelbögen um einige Zentimeter angehoben wurde.





Ich bedanke mich für die freundliche Unterstützung bei:
Prof. Michael Littmann
Willi Rabl, Raabs an der Thaya (A)
© Dipl.Ing. Bernd Nebel