Die Geschichte der Baustatik

- Auf der Suche nach dem Gleichgewicht -

von Karl Eugen Kurrer

3. Auflage, Dezember 2025


Was wissen Bauingenieure heute über die Herkunft der Baustatik? Wann und welcherart setzte das statische Rechnen im Entwurfsprozess ein? Wir ahnen wohl, dass die Entwicklung von Berechnungsmethoden und -verfahren im engen Zusammenhang mit der Entdeckung neuer Baumaterialien und der Hervorbringung und Entfaltung von Tragformen stehen.

Zehn Jahre nach der Veröffentlichung der zweiten deutschen Ausgabe seiner "Geschichte der Baustatik - Auf der Suche nach dem Gleichgewicht" präsentiert Karl-Eugen Kurrer nun eine stark erweiterte dritte Auflage. Der Autor lädt zu einer Zeitreise ein, um das Gleichgewicht von Tragstrukturen historisch-logisch kennenzulernen. Diese Reise hebt mit den Anfängen der Statik und Festigkeitslehre bei Leonardo da Vinci, Stevin und Galilei an, und erreicht ihren ersten Höhepunkt mit Coulombs Balken-, Erddruck- und Gewölbetheorie im späten 18. Jahrhundert. Im folgenden Jahrhundert formten dann Navier, Culmann, Maxwell, Rankine, Winkler, Mohr, Castigliano, Müller-Breslau und Kirpichev die Baustatik zu einer technikwissenschaftlichen Grundlagendisziplin, die im 20. Jahrhundert eine Schlüsselrolle im Stahl-, Stahlbeton-, Maschinen-, Flugzeug-, Automobil- und Schiffbau spielte.

Ein umfangreiches Kapitel ist der Geschichte der Erddrucktheorie gewidmet - der ersten vor gut 250 Jahren entstandenen genuin technikwissenschaftlichen Theorie, die den Kristallisationskern der Disziplingenese der Bodenmechanik im letzten Jahrhundert bildet. Gegenüber der zweiten Auflage hat der Autor den Schwerpunkt auf die Darstellung der Entstehung und Entwicklung moderner numerischer Ingenieurmethoden wie der FEM verschoben und beschreibt deren Integration in die Disziplin der Computational Mechanics. Dies manifestiert sich auch in den nunmehr 270 Kurzbiographien, die ein lebendiges Bild der Entwicklungsgeschichte der Baustatik und Strukturmechanik zeichnen. Dieses Buch ist die erste umfassende Gesamtdarstellung der Baustatik und Strukturmechanik vom 16. Jahrhundert bis zur Gegenwart. Es beantwortet die Frage der Bauingenieurinnen und Bauingenieure von heute: Wann und welcherart setzte das statische Rechnen im Entwurfsprozess ein?

Mit dem vorliegenden Buch lädt der Verfasser seine Leser zur Suche nach dem Gleichgewicht von Tragwerken auf Zeitreisen ein. Die Zeitreisen setzen mit der Entstehung der Statik und Festigkeitslehre eines Leonardo und Galilei ein und erreichen ihren ersten Höhepunkt mit den baustatischen Theorien über den Balken, den Erddruck und das Gewölbe von Coulomb am Ende des 18. Jahrhunderts. Im folgenden Jahrhundert formiert sich die Baustatik mit Navier, Culmann, Maxwell, Rankine, Mohr, Castigliano und Müller-Breslau zu einer technikwissenschaftlichen Grundlagendisziplin, die im 20. Jahrhundert in Gestalt der modernen Strukturmechanik bei der Herausbildung der konstruktiven Sprache des Stahl-, Stahlbeton-, Flugzeug-, Automobil- und des Schiffbaus eine tragende Rolle spielt. Dabei setzt der Autor den inhaltlichen Schwerpunkt auf die Formierung und Entwicklung moderner numerischer Ingenieurmethoden wie der Finite-Elemente-Methode und beschreibt ihre disziplinäre Integration in die Computational Mechanics.

Gedankenexperiment zur Statik eines Kragträgers
von Galileo Galilei aus dem Jahr 1638

Kurze, durch historische Skizzen unterstützte Einblicke in gängige Berechnungsverfahren erleichtern den Zugang zur Geschichte der Strukturmechanik und Erddrucktheorie vom heutigen Stand der Ingenieurpraxis und stellen auch einen wichtigen Beitrag zur Ingenieurpädagogik dar.

Dem Autor gelingt es, die Unterschiedlichkeit der Akteure hinsichtlich ihres technisch-wissenschaftlichen Profils und ihrer Persönlichkeit plastisch zu schildern und das Verständnis für den gesellschaftlichen Kontext zu erzeugen. So werden in ca. 270 Kurzbiografien die subjektive Dimension der Baustatik und der Strukturmechanik von der frühen Neuzeit bis heute entfaltet. Dabei werden die wesentlichen Beiträge der Protagonisten der Baustatik besprochen und in die nachfolgende Bibliografie integriert. Berücksichtigt wurden nicht nur Bauingenieure und Architekten, sondern auch Mathematiker, Physiker, Maschinenbauer sowie Flugzeug- und Schiffbauer. Neben den bekannten Persönlichkeiten der Baustatik, wie Coulomb, Culmann, Maxwell, Mohr, Müller-Breslau, Navier, Rankine, Saint-Venant, Timoshenko und Westergaard, wurden u. a. auch G. Green, A. N. Krylov, G. Li, A. J. S. Pippard, W. Prager, H. A. Schade, A. W. Skempton, C. A. Truesdell, J. A. L. Waddell und H. Wagner berücksichtigt. Den Wegbereitern der Moderne in der Baustatik J. H. Argyris, R. W. Clough, Th. v. Kármán, M. J. Turner und O. C. Zienkiewicz wurden umfangreiche Biografien gewidmet. Eine ca. 4500 Titel umfassende Bibliografie rundet das Werk ab.


Über den Autor:

Karl-Eugen Kurrer wurde 1952 in Heilbronn geboren. Nach dem Bauingenieurstudium an der Hochschule für Technik in Stuttgart arbeitete er als Statiker im Ingenieurholzbau einer Heilbronner Industriefirma. Anschließend studierte er an der TU Berlin Bauingenieurwesen, Wissenschafts- und Technikgeschichte sowie Physikalische Ingenieurwissenschaften. Seine Diplomarbeit über die Geschichte der Gewölbetheorien schloss er 1981 ab. Danach forschte er auf dem Gebiet der rationellen Energieverwendung in der Industrie und wurde 1986 von der TU Berlin zum Dr.-Ing. promoviert.

Von 1989 bis 1995 arbeitete er als Entwicklungsingenieur für Antennen bei der Telefunken Sendertechnik GmbH in Berlin. Seit 1996 ist Karl-Eugen Kurrer Leiter des Arbeitskreises Technikgeschichte beim VDI-Bezirksverein Berlin-Brandenburg. Von 1996 bis 2018 wirkte er als Chefredakteur der Zeitschriften "Stahlbau" und "Steel Construction - Design and Research" (seit 2008), die bei Ernst & Sohn erscheinen. Über 40 Jahre forscht er zu Themen aus der Geschichte der Bautechnik im Allgemeinen und der Geschichte der Baustatik im Besonderen. Er hat mehr als 230 Aufsätze, zahlreiche Zeitungsartikel und mehrere Monografien publiziert.


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