Die Krämerbrücke

Erfurt, Deutschland




© Bernd Nebel

Name: Krämerbrücke
Ort: Erfurt
Land: Deutschland
Konstruktionstyp: Bogenbrücke
Fertigstellung: 1325
Ingenieur: unbekannt
Verkehrsart: Fußgänger
Material: Stein
Gesamtlänge: 125 m
Größte Spannweite: m
Blick vom Turm der Ägidienkirche auf die Brücke
© Bernd Nebel

Im Mittelalter gab es in Europa viele Brücken die mit Häusern bebaut waren. Für verschiedene Zünfte -wie z.B. die Metzger- war es besonders praktisch direkt über dem Fluss zu wohnen, weil man die Abfälle problemlos "entsorgen" konnte. Heute ist die Krämerbrücke in Erfurt die einzige vollständig bebaute Brücke nördlich der Alpen.

Der Name "Erfurt" verrät bereits, dass es an dieser Stelle schon seit ewigen Zeiten eine viel benutzte Furt über die Gera gab und diesen Ort zu einem wichtigen Wegpunkt auf den Ost-West-Handelsstraßen der damaligen Zeit machte.

Ab 1117 ist eine Holzbrücke nachweisbar, aber vermutlich gab es schon lange davor eine Brücke. Die Holzbrücken wurden von den Mönchen der umliegenden Klöster errichtet und diesen gehörte die Brücke auch, einschließlich der damit verbundenen Brückenrechte.


Der ständige Kampf gegen das Feuer

Allerdings brannte die Holzbrücke immer wieder ab. Belegt sind Brände in den Jahren 1124, 1175, 1177, 1178, 1213, 1222, 1245 und weitere in der Folgezeit. Während die Brücke wegen des zunehmenden Handelsverkehrs immer wichtiger wurde, war sie durch die Brände aber immer wieder außer Betrieb. Gegen Ende des 13. Jahrhunderts entschied der Rat der Stadt Erfurt daher, den Klöstern die Brückenrechte abzukaufen, um an ihrer Stelle eine Steinbogenbrücke zu errichten.

Die Stadtväter befürchteten offenbar, dass sich die Handelswege ansonsten zuverlässigere Wege suchen würden. Diese Furcht war nicht ganz unbegründet, denn der Warenverkehr war für die Stadt von größter wirtschaftlicher Bedeutung.

Insbesondere die alte Handelsstraße Kiew-Breslau-Erfurt-Frankfurt/Main brachte viele Durchreisende und damit natürlich Einnahmen sowohl für den Stadtsäckel als auch für die Gewerbetreibenden. Insofern war es eine sehr gute Idee, direkt auf der Brücke Geschäfte und Buden zu errichten, denn durch dieses Nadelöhr mussten natürlich alle Reisenden hindurch.


Die erste steinerne Brücke über die Gera entsteht

Die Steinbrücke wurde 1325 fertig gestellt. Sie besteht aus insgesamt sechs Bögen und hat eine Gesamtlänge von 125 m. Auf beiden Seiten der Brücke wurden Kirchen errichtet, die Benediktinerkirche auf der Ostseite und die Ägidienkirche auf der Westseite. Während die Ägidienkirche auch heute noch besteht, wurde die Benediktinerkirche 1810 abgebrochen.
(1936) © Bernd Nebel (2006)
Genau 70 Jahre liegen zwischen diesen beiden Fotos

Zunächst gab es auf der Brücke aber nur Buden und unbewohnte Verkaufsstände. Dann aber, im Jahre 1472, ereignete sich in Erfurt ein verheerender Brand, dem große Teile der Stadt zum Opfer fielen. Auch die Krämerbrücke war betroffen, allerdings brannten diesmal nur die Holzbuden ab und die eigentliche Brücke blieb weitgehend unversehrt. Nach diesem Ereignis wurde die Brücke bis 1486 durch seitlich auskragende Sprengwerke verbreitert und der Bau von mehrstöckigen Wohnhäusern genehmigt.

Dieser Zustand der Brücke hat sich bis zum heutigen Tag trotz einiger Umbau- und Sanierungsmaßnahmen weitgehend erhalten. Einige der ursprünglich 62 Häuser wurden im Laufe der Zeit zusammengelegt. So ist es zu erklären, dass es heute nur noch 32 Häuser gibt, obwohl die Brücke immer noch vollständig bebaut ist.

Es unterstreicht die kulturhistorische Bedeutung der Brücke, dass sie auch zu DDR-Zeiten recht gut gepflegt und bewahrt wurde, während andere wichtige Bauwerke in Ostdeutschland allmählich verfielen. Heute kümmern sich mehrere Stiftungen um den Erhalt und das Erscheinungsbild der Brücke. Insbesondere die "Stiftung Krämerbrücke" bemüht sich darum, neben der reinen Erhaltung auch
Beim Spaziergang über die Brücke ist sie als solche nicht zu erkennen
© Bernd Nebel
dafür zu sorgen, dass sich zu einer Krämerbrücke passendes Gewerbe auf der Brücke ansiedeln kann und nicht etwa Videotheken oder Spielsalons. Im Jahre 1895 gab es Bestrebungen die Brücke abzureißen aber die Pläne scheiterten an der fehlenden Finanzierbarkeit. Zum Glück setzte sich aber schließlich der Gedanke durch, dass man ein solch historisches Bauwerk auf jeden Fall erhalten müsse.


Die Krämerbrücke heute

Heute steht die Brücke natürlich unter Denkmalschutz und ist ausschließlich den Fußgängern und Radfahrern vorbehalten. Dem Besucher präsentiert sie sich als das was sie immer war, nämlich als eine muntere Gewerbestraße mit Antiquitäten- und Bildergeschäften, Wein- und Schmuckläden usw.

Im Haus mit der Nummer 31 befindet sich der Sitz der Stiftung Krämerbrücke. Das Gebäude kann einschließlich des Kellers (der sich in einem der Brückenpfeiler befindet) besichtigt werden.

Seit 1990 findet jeweils am dritten Wochenende im Juni alljährlich das Krämerbrückenfest statt, das sich aber nicht nur auf die direkte Umgebung der Brücke beschränkt, sondern in ganz Erfurt gefeiert wird. Kernpunkt der Veranstaltungen ist ein historischer Markt, auf dem es allerlei mittelalterliches Treiben zu sehen gibt, wie z.B. Gaukler, Bänkelsänger und die Darbietung alter Handwerkstechniken.




Haben sie noch mehr Informationen zu dieser Brücke? Oder sind sie im Besitz weiterer Fotos, die sie für dieses Internetangebot zur Verfügung stellen würden? Dann senden sie mir eine Mail:




© Dipl.Ing. Bernd Nebel