Julius Cäsars Brücke über den Rhein

Vermutlich Nähe Neuwied, Deutschland



Modell von Cäsars Rheinbrücke im Deutschen Museum / München.
Die Rekonstruktion bezieht sich auf die Interpretation nach Klingelhöfer.
Name: Julius Cäsars Rheinbrücke
Ort: vermutlich Nähe Neuwied
Land: Deutschland
Konstruktionstyp: Balkenbrücke
Bauzeit: 55 v.Chr.
Beteiligte Personen: Julius Cäsar
Mamurra (?)
Verkehrsart: Fußgänger / Reiter
Material: Holz
Gesamtlänge: ca. 400 m
Größte Spannweite: ca. 12 m
Fahrbahnbreite: ca. 8-9 m
GoogleEarth:

Im Frühsommer des Jahres 55 v.Chr. ließ der römische Feldherr Julius Cäsar innerhalb von nur 10 Tagen eine 400 m lange Brücke über den Rhein schlagen und nach wenigen Tagen wieder abbrechen. Cäsar war zu dieser Zeit Prokonsul in Gallien und beabsichtigte mit dieser Militäraktion den rechtsrheinischen Germanen eine Straflektion zu erteilen.

Zu allen Zeiten hatten manche Brücken neben ihrer reinen Verkehrsfunktion auch eine strategische Bedeutung. Die Baumeister und Ingenieure waren daher häufig gezwungen, auch militärische Aspekte beim Bau ihrer Brücken zu berücksichtigen. Insbesondere die schnelle Errichtung von - meist nur kurzzeitig benötigten - Behelfsbrücken, brachten für Eroberer und Befehlshaber strategische Vorteile.

Als Beispiel sei hier die Schiffsbrücke über den Bosporus genannt, die der Perserkönig Darius schon 490 v.Chr. errichten liess, um sein 100.000 Mann starkes Heer gegen die Griechen marschieren zu lassen. Diese Brücke bestand aus vielen miteinander verbundenen kleineren Schiffen, die eine Fahrbahn aus Holzbalken trugen.


Herausragende Leistung römischer Militärtechnik

Eine der erstaunlichsten Leistungen auf dem Gebiet des militärischen Brückenbaus vollbrachte ein Mann, der uns sehr gut durch den Geschichtsunterricht bekannt ist: Gaius Julius Cäsar. Im Frühsommer des Jahres 55 v.Chr. liess er innerhalb von nur 10 Tagen eine etwa 400 m lange Holzbrücke über den Rhein errichten, und nur wenige Tage später wieder abbrechen.

Diese technische Meisterleistung ist der Nachwelt vor allem dadurch erhalten geblieben, weil Cäsar selbst während der langen Märsche, die er meist in einer Reisekutsche verbrachte, so ganz nebenbei seinen Kriegsbericht "Commentarii de bello Gallico" schrieb. In diesem Werk, das aus dem heutigen Lateinunterricht nicht wegzudenken ist, hat er auch die Brücke über den Rhein und deren Bau ausführlich beschrieben.

Um 55 v.Chr. war der römische Feldzug gegen die Germanen eigentlich abgeschlossen, doch Cäsar hielt es aus verschiedenen Gründen für notwendig den Rhein zu überschreiten. Es war die erste römische Militärinvasion auf der östlichen Seite des Rheins überhaupt. Ganz sicher beabsichtigte er mit dieser eindrucksvollen Demonstration die römische Überlegenheit zu beweisen: er wollte den rechtsrheinischen Germanenstämme zeigen, dass der römische Einflussbereich keineswegs am westlichen Ufer des Rheins endete. Dazu passt es auch, dass Cäsar den Vorschlag seiner Offiziere und germanischen Verbündeten ablehnte, den Rhein ganz einfach mit Schiffen zu überqueren. Cäsar hielt den Übergang mit Schiffen für zu gefährlich und war vor allem der Meinung, dieser Weg "entspreche nicht der Würde des römischen Volkes".


Standort und genaue Konstruktion strittig

Klassische Interpretation von Cäsars Text nach Andrea Palladio. Die Joche
werden jeweils von zwei schräg eingerammten Pfahlpaaren getragen.
Die Verwendung der dargestellten Kanthölzer ist unwahrscheinlich.

Der exakte Ort an dem die Brücke gebaut wurde ist nicht mit Sicherheit bekannt, doch gilt eine Stelle in der Nähe von Neuwied als am wahrscheinlichsten. An dieser Stelle wurden 1885 mit einem Dampfbagger Reste von Eichenpfählen aus dem Rhein ausgegraben. Viele Jahre später konnte mit Hilfe wissenschaftlicher Methoden nachgewiesen werden, dass die Bäume Mitte des 1. Jhd. v.Chr. gefällt wurden. Letztlich ist der Standort der Brücke aber nicht mit letzter Sicherheit bekannt. Eine von Historikern ebenfalls für denkbar gehaltene Stelle befindet sich etwa 11 km unterhalb von Bonn.

Vor über 2000 Jahren war der Rhein noch nicht der gezähmte Fluss Die 'Rheinregulierung', die den Fluss bis Basel schiffbar machte, wurde von dem badischen Baumeister Johann Gottfried Tulla angestoßen und dauerte von 1817 bis 1876. den wir heute kennen. Er war an verschiedenen Stellen viel breiter und gerade im Frühjahr von sumpfigen Uferstreifen gesäumt. Die erforderliche Länge der Brücke betrug daher etwa 400 m und das Wasser war nach neueren Schätzungen damals etwa drei bis vier Meter tief. Die Rammpfähle mussten also im Durchschnitt eine Länge von etwa sieben bis acht Metern haben. Schon aus diesen Dimensionen läßt sich die Schwierigkeit der Aufgabe für die Legionäre erahnen.

Nach der Beschreibung Cäsars handelte es sich bei dem Brückenbau um eine neue, vorher nicht angewandte Technik. Es wäre daher natürlich sehr interessant zu wissen, welcher seiner Militäringenieure für das Projekt verantwortlich war. In "De Bello Gallico" nennt er uns diesen Namen allerdings nicht. In einem Brief Ciceros an einen Freund findet sich eine Textstelle die nahelegt, dass die Brücke von einem Militäringenieur namens Mumarra gebaut wurde. Durch historische Quellen ist aber auch belegt, dass der geniale Militärtechniker Marcus Vitruvius Pollio ('Vitruv') Vitruv ist der Autor der "Zehn Bücher über die Architektur", des einzig überlieferten, umfassenden antiken Werkes zum Thema Architektur. am Gallischen Krieg teilgenommen hat. Es ist daher möglich, dass er - und sei es als geistiger Vater - am Bau der Brücke beteiligt war.

In Anbetracht der logistischen Herausforderung ist die außerordentlich kurze Bauzeit der Brücke von nur 10 Tagen bemerkenswert. Dabei ist noch zu berücksichtigen, dass dazu auch das Fällen und Bearbeiten der Bäume, sowie die Beschaffung des sonstigen Materials zählt. Auch die benötigten Flöße und Rammgeräte wurden nicht vom Militärtross mitgeführt, sondern mussten zunächst aus dem zur Verfügung stehenden Material hergestellt werden. Die Einhaltung eines solchen Zeitplanes war daher nur möglich, wenn sozusagen 'rund um die Uhr' - vielleicht sogar nachts bei Fackelschein - gearbeitet wurde. Für die rechtsrheinischen Germanen war das rege Treiben auf dem Fluss sicherlich sehr beeindruckend, und sie dürften das langsame Näherrücken der Baustelle ebenso erstaunt wie ängstlich beobachtet haben.


Interpretationen der historischen Quelle


Bei der Brücke handelte es sich zweifelsfrei um eine Balken- oder auch Jochbrücke. Cäsar beschreibt die Brücke und die Geschehnisse im Zusammenhang mit ihrem Bau eigentlich sehr genau, nicht zuletzt um die militärische Operation vor dem Senat in Rom zu rechtfertigen. Allerdings lässt sein Bericht an einigen Stellen durchaus auch Interpretationsspielräume. Dies trifft insbesondere auf den genauen Aufbau der Joche zu, der unter Historikern und Baufachleuten seit Jahrhunderten umstritten ist.

Man weiß zwar sicher, dass sich die Joche an beiden Seiten auf schräg eingerammte Pfahlpaare stützten, aber einige Historiker gehen davon aus, dass sich zwischen diesen Schrägpfählen zusätzlich bis zu fünf senkrecht eingerammte Stützpfähle befanden. Die zweite Alternative hätte nicht nur einer erheblich größeren Anzahl von zu fällenden und zu bearbeitenden Baumstämmen bedurft, sondern die Konstruktion auch hinsichtlich der Verbindungstechnik verkompliziert. Senkrecht eingerammte Pfähle hätten auch beim Abbruch der Brücke größere Schwierigkeiten bereitet.

Während ältere Interpreten, wie z.B. Andrea Palladio, meist nur von zwei senkrecht eingerammten Pfahlpaaren ausgingen, wurde in jüngeren Veröffentlichungen häufig die Variante mit senkrechten Pfählen favorisiert. So zum Beispiel auch bei der oben abgebildeten Zeichnung von Hans Klingelhöfer. Ursächlich für die neue Interpretation war unter anderem die Entdeckung der römischen Brückenreste bei Neuwied, an der man fünf senkrechte Pfähle nachweisen konnte.

Ein weiterer Versuch den Aufbau der Brücke zu rekonstruieren.
Im Hintergrund einer der militärisch gesicherten Brückenköpfe.

Die Abstände der Joche betrugen maximal 12 m, sodass insgesamt also etwa 30 - 35 Joche erforderlich waren. Die Rammpfähle bestanden aus unten zugespitzten Baumstämmen, wobei vermutlich auf die ansonsten bei den Römern gebräuchlichen eisernen Pfahlschuhe verzichtet wurde. Die Pfähle wurden mit einem speziell konstruierten Rammgerät in die Sohle des Flusses getrieben und anschließend auf eine gleichmäßige Höhe angepasst.

Das Rammgerät, resp. die Rammgeräte das nicht etwa mitgeführt sondern erst von den Militäringenieuren vor Ort hergestellt werden musste, befand sich auf einem Floß das am jeweiligen Einsatzort verankert wurde. Als Fallgewicht diente ein schwerer behauener Stein, der mit Menschenkraft nach oben gezogen und fallen gelassen wurde.

Die knapp neun Meter breite Fahrbahn bestand aus einer Lage Baumstämme (ca. 10 cm Durchmesser), quer zur Fließrichtung des Rheins und darüber Reißig oder Flechtwerk parallel zur Fließrichtung. Damit der ganze Tross einschließlich Reiterei gut über die Brücke kam, wurde das Ganze noch mit einer Auflage aus Erde versehen und mit Geländern gesichert. Alles in allem also eine recht komfortable und sichere Art den Rhein zu überschreiten und zweifellos auch 'dem römischen Volke würdig'.

Trotz ihrer kurzen Lebensdauer ließ Cäsar umfangreiche Sicherungsmaßnahmen für das Bauwerk anlegen. Auf beiden Seiten der Joche wurde jeweils ein Paar von Schrägpfählen gegen den seitlichen Druck der Strömung und die Belastung beim Marsch des Trosses über die Brücke angelegt. Stromaufwärts ließ er außerdem in etwas größerem Abstand Sperren im Fluss errichten, die Treibholz oder feindliche Schiffe aufhalten sollten und auch Sabotageakte durch brennende Flöße verhindern sollten. Beide Brückenköpfe wurden militärisch ausgebaut und während der gesamten Operation bewacht.


Strafaktion und Abbruch der Brücke


Als der Tag der Rheinüberschreitung gekommen war, ließ Cäsar eine starke Sicherungstruppe am östlichen Brückenkopf zurück und zog mit seiner Hauptstreitmacht über den Fluss. Für die Germanen, die selbst nicht dazu in der Lage gewesen wären eine Brücke über den Rhein zu schlagen und vermutlich etwas derartiges noch nie gesehen hatten, muss dies ein furchterregendes Szenario gewesen sein: Tausende, bis an die Zähne bewaffnete Soldaten in voller Kampfausrüstung waren gerade dabei, ohne jede Eile und mit einem stolzen Gefühl der Überlegenheit in ihr Territiorium einzudringen.

Cäsars Truppen bestanden aus zwei Legionen, was einschließlich Hilfstruppen und Tross etwa 25.000 Mann entsprechen dürfte. Hinzu kamen noch ca. 6.000 Last- und Reittiere. Cäsars vordergründige Absicht war eine Strafexpedition gegen die Sueben. Vom Bau der Brücke waren die germanischen Stämme aber offenbar so beeindruckt, dass sie ihre Dörfer bereits verlassen hatten und in die dichten Wälder geflüchtet waren. Bis auf kleinere Scharmützel kam es daher zu keinen direkten Kampfhandlungen. Cäsar ließ alle Häuser der Sueben niederbrennen und das Getreide auf den Feldern vernichten. Nach nur 18 Tagen im Feindesland befand er, dass alle seine militärischen Ziele erreicht seien und gab den Befehl zum Rückzug. Nur beiläufig erwähnt er in "De Bello Gallico", dass er die so mühsam errichtete Brücke sofort nach der Rückkehr seiner Soldaten wieder zerstören ließ.

Für Cäsar war der Bau der Rheinbrücke in jeder Hinsicht ein Erfolg: er hatte sowohl den feindlichen als auch den befreundeten germanischen Stämmen ein eindrucksvolles Zeugnis der römischen Überlegenheit geliefert. Aber auch in Rom vergrößerte diese technische und strategische Meisterleistung Cäsars Ansehen erheblich und ließ seine Kritiker für einige Zeit verstummen. Nur wenige Monate später verließ er Germanien und Gallien, um mit seinen Legionen zum ersten Feldzug nach Britannien überzusetzen. Auch in Britannien ging es Cäsar vordergründig darum, die britischen Stämme für die Unterstützung der Gallier zu bestrafen.

Visualisierung der Brückenbaustelle mit den Baugeräten.

Im Sommer 53 v. Chr. wiederholte Cäsar die Rheinüberquerung an einer Stelle etwas weiter stromaufwärts. In diversen Quellen ist von etwa 700 m die Rede. Wieder ging es um eine Strafaktion und das Verschaffen von Respekt. Um den Germanen noch deutlicher vor Augen zu führen, dass sie jederzeit mit Cäsars Rückkehr rechnen mussten, ließ er die Brücke diesmal nur auf einer Länge von etwa 60 m auf germanischer Seite abbrechen. Das freie Ende der Brücke ließ er mit einem vierstöckigen Wehrturm sichern und den westlichen Brückenkopf mit einem starken Militärlager befestigen. So stand die Brücke fast vollständig wie eine Drohung im Rhein und hätte bei Bedarf innerhalb weniger Tage komplettiert werden können.

Danach glaubte Cäsar Gallien in die Knie gezwungen zu haben aber bereits im folgenden Jahr kam es zu einem großen Aufstand der gallischen Stämme unter Vercingetorix. Erst nach dessen Niederschlagung war Gallien endgültig erobert und wurde - dank Cäsars geschickter Integrationspolitik - innerhalb weniger Jahre zu einer loyalen Provinz Roms.

Quellen:


www.bernd-nebel.de

© Dipl.Ing. Bernd Nebel