El Puente de Alcántara

ursprünglich: "Puente Trajano"

Alcántara, Spanien




© Bernd Nebel

Name: Brücke von Alcántara
Ort: Alcántara
Land: Spanien
Konstruktionstyp: Steinbogenbrücke
Fertigstellung: um 105 n. Chr.
Erbauer: Gajus Julius Lacer
Verkehrsart (heute): Auto
Material: Granit
Gesamtlänge: 180 M
Größte Spannweite: 28,8 M
Höhe über dem Wasser: 50 M

Vor fast 2000 Jahren entstand in der auch heute noch spärlich besiedelten Extremadura der Höhepunkt der römischen Brückenbaukunst. Die gewaltige Steinbogenbrücke von Alcantara gilt heute als die am besten erhaltene Brücke des römischen Imperiums.

Der Rio Tajo ist mit über 1000 km der längste und wasserreichste Fluss auf der iberischen Halbinsel. Bei Lissabon mündet der Strom, den die Römer "Tagus" nannten und der in Portugal "Tejo" heißt, in den Atlantik. Auf seinem Weg durch die eigentümliche Landschaft der Extremadura schneidet er bei Alcántara im spanisch/portugiesischen Grenzgebiet eine tiefe Schlucht in den felsigen Untergrund.


Kaiser Trajan befiehlt den Bau einer Brücke

An dieser Stelle sollte nach dem Willen des römischen Kaisers Trajan eine monumentale und dauerhafte Brücke errichtet werden. Marcus Ulpius Traianus (53-117 n.Chr.)stammte aus Italica in der Nähe von Sevilla und war der erste Kaiser, der aus einer der Provinzen stammte. Er war ein sehr erfolgreicher Feldherr und verhalf dem römischen Reich durch mehrere Feldzüge zu seiner größten Ausdehnung. Wie sein Nachfolger Hadrian liebte er es aber auch zu bauen und hinterließ seiner Nachwelt unter anderem das Trajansforum und die Trajansthermen in Rom.
Der Trajansbogen
© Bernd Nebel

Die Gründe für den Bau der Brücke von Alcantara sind vielschichtig aber sicher nicht nur wirtschaftlicher und strategischer Natur. Ein intaktes Straßennetz war insbesondere für die römische Militärmaschinerie von größter Bedeutung, denn die Beweglichkeit der einzelnen Truppenteile war die Voraussetzung dafür, ein solch riesiges Reich überhaupt regieren zu können. Mit der Brücke von Alcantara sollte die Stadt Norba Caesarea (heute Caceres) mit der westlich gelegenen Region Beira Alta verbunden werden.

Weit entfernt vom Machtzentrum des römischen Imperiums ging es aber sicherlich auch darum, ein Monument für die technische und militärische Überlegenheit Roms zu errichten. Man kann sich die Wirkung dieser Brücke in der kargen Einöde der Extremadura auf die Menschen der damaligen Zeit durchaus vorstellen. Jeder Reisende der hier vorbeikam staunte sicherlich nicht schlecht über diese eindrucksvolle Demonstration römischer Macht. Denn niemand, der in den nächsten Jahrhunderten diese Brücke überquerte, hatte jemals ein solches Bauwerk gesehen.


Gaius Julius Lacer

Mit der Durchführung der Bauarbeiten wurde der Baumeister Gaius Julius Lacer beauftragt. Wie alle römischen Brückenbauer war Lacer ein Militäringenieur, denn das Bauen von Brücken in den Provinzen war ausschließlich Sache der Truppe. Die Finanzierung des Baus wurde übrigens den 11 umliegenden Städten in der Provinz Lusitania abverlangt, da sie ja auch den Hauptvorteil aus dieser Brücke zogen.
© Bernd Nebel

Die Bauarbeiten dauerten etwa von 98 bis 105 n. Chr. und wurden vermutlich größtenteils von Sklaven ausgeführt. Die Gründung der beiden Pfeiler im Wasser konnte ohne den aufwändigen römischen Kastendamm erfolgen, weil bereits in geringer Tiefe tragfähiges Gestein anstand. Dadurch musste nur die Schlammschicht beseitigt und der Fels entsprechend für die Pfeiler vorbereitet werden. Die riesigen Felsquader wurden wie bei den Römern üblich ohne Mörtel aufeinander gefügt, so dass sich das ganze Bauwerk nur auf Grund seines Eigengewichtes trägt. Um die gewaltigen Felsblöcke zu bewegen hatten die Römer bereits ausgeklügelte Hebewerkzeuge und Flaschenzüge. Die Spannweiten der Bögen variieren zwischen 13,8 und 28,8 Metern und haben die typisch römische Halbkreisform.

Die Brücke von Alcantara zählt nicht nur zu größten jemals von den Römern errichteten Steinbogenbrücken, sondern sie ist auf Grund ihrer gewaltigen Dimensionen in Verbindung mit architektonischer Harmonie ein antikes Meisterwerk der Brückenbaukunst. Besonders beeindruckend ist dabei ihre Höhe: die etwa 8 m breite Fahrbahn befindet sich ca. 50 Meter über dem normalen Wasserspiegel des Tajo. Sie ist damit die höchste Brücke des Imperium Romanum.

Die beiden mittleren der sechs Bögen haben Spannweiten von fast 30 Metern und gehören damit zu den weitesten, noch erhaltenen Bögen der Antike. In der Mitte der Brücke befindet sich der Triumphbogen des Kaisers Trajan, der eine Höhe von etwa 14 Metern hat. Neben einer Inschrift zu Ehren des Kaisers wurden hier auch die umliegenden Provinzen erwähnt, die sich am Bau der Brücke finanziell beteiligt hatten.

Die Fahrbahn verlief ursprünglich nicht genau horizontal, sondern war in der Mitte unter dem Trajansbogen leicht erhöht, so dass sie nach den Seiten hin abfiel. Die Begradigung der Fahrbahn erfolgte erst im 16. Jahrhundert im Zuge einer Renovierungsmaßnahme.


Die Brücke im Laufe der Jahrhunderte

Nach dem Untergang des römischen Reiches war die Brücke bei verschiedenen militärischen Auseinandersetzungen immer wieder von entscheidender strategischer Bedeutung und wurde insgesamt dreimal schwer beschädigt.
Die Brücke hat eine beeindruckende Höhe
© Bernd Nebel

Ab 711 drangen maurische Truppen von Tarifa aus auf die iberische Halbinsel vor und besetzten in den folgenden Jahrzehnten fast das gesamte Land. Die römische Brücke muss sie sehr beeindruckt haben, denn sie wird in der arabischen Literatur als wahres Wunder erwähnt. Die Mauren gründeten eine Stadt ganz in ihrer Nähe, die sie "Al Quantara" nannten, d.h. einfach "die Brücke". Bis heute tragen die kleine Stadt mit ca. 2000 Einwohnern und die Brücke diesen arabischen Namen.

Fast genau 500 Jahre später, im Jahre 1213, war die Reconquista (Rückeroberung Spaniens) so weit vorangeschritten, dass die Region um die Brücke von den christlichen Rittern zurück gewonnen wurde. Auf ihrem Rückzug zerstörten die Mauren einen der kleineren Brückenbögen, der erst 1543 unter Karl V wieder hergestellt werden konnte. Die Tatsache, dass es über 3 Jahrhunderte dauerte, ehe jemand dazu in der Lage war diesen Schaden zu beheben, zeigt einmal mehr den technischen Verfall von der Römerzeit bis ins Mittelalter. Im Zuge der Renovierungsarbeiten liess Karl V auch sein heute noch vorhandenes Doppeladler-Wappen am Triumphbogen des Trajan anbringen.

Zur zweiten Zerstörung eines Brückenbogens kam es 1707 im Laufe des spanischen Erbfolgekrieges, welche diesmal schon nach gut 70 Jahren wieder behoben werden konnte. Die letzte Beschädigung ereignete sich schließlich am 14.05.1809 bei militärischen Auseinandersetzungen zwischen Truppen Napoleons und portugiesisch/englischen Verbänden. Dabei wurde wiederum einer der Bögen erheblich beschädigt, stürzte aber erst mehrere Monate nach dem Beschuss ein. Die Lücke wurde für einige Jahrzehnte durch Holzkonstruktionen überbrückt und erst 1869 durch Königin Isabella II endgültig wieder geschlossen.


Eine Brücke für die Ewigkeit

1988 gründete sich die Stiftung "San Bendito de Alcantara", welche die Brücke als ihr Symbol verwendet. Die Gruppe prämiert alljährlich architektonisch herausragende öffentliche Neubauten in Spanien, Portugal und Lateinamerika mit dem "Premio Internacional Puenta de Alcántara"

Über ihren Baumeister Gaius Julius Lacer ist außer seiner Beteiligung am Bau der Brücke von Alcántara leider nichts Weiteres bekannt. Vermutlich handelt es sich aber um sein größtes Projekt als Militäringenieur, denn man errichtete ihm zu Ehren am östlichen Brückenkopf einen kleinen Tempel, in dem er bestattet wurde. Eine Inschrift auf seiner Grabplatte lautet: "Ich hinterlasse diese Brücke für alle Zeiten den Generationen der Welt". Bis jetzt hält er Wort, denn die Brücke von Alcántara trotzt nun schon seit fast 2000 Jahren den Fluten des Rio Tajo und wird heute mehr denn je durch eine erhebliche Verkehrsbelastung in Anspruch genommen.

Noch heute gilt die Brücke von Alcántara als besonders gelungenes Beispiel für die Verbindung von Technik und Architektur.




Quellen:
David J. Brown: "Brücken - Kühne Konstruktionen über Flüsse, Täler, Meere"
Bernhard Graf: "Die schönsten Brücken der Welt"
Real Academia de la Historica: "El Puente de Alcantara en su Contexto Historico"
Helmut Schneider: "Die Brücken im Imperium Romanum"

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Ich bedanke mich für die freundliche Unterstützung bei:
Hans-Joachim Drescher, Frankfurt
© Dipl.Ing. Bernd Nebel